Wie du eine persönliche Soforthilfe für Stresssituationen entwickelst: Bilde deinen eigenen Kraftsatz

Jeder von uns hat schon einmal etwas von Affirmationen gehört. Diese kleinen Sätze können in bestimmten Situationen sehr hilfreich sein, vorausgesetzt, sie passen zu den individuellen Bedingungen und Beschaffenheiten der Person und sind vorher trainiert worden.

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Wenn du eine Affirmation für dich entwickelt hast, kannst du sie durch ständige Wiederholung so automatisieren, dass du sie in Stresssituationen sofort abrufen kannst. Sie wird dir dabei helfen, besser mit deinen Herausforderungen umzugehen. Du bleibst handlungsfähig, erholst dich schneller und kannst bewusst entscheiden, wie es weitergehen soll.

Affirmationen sind Gedanken, die deine Gefühle und dein Verhalten nachhaltig beeinflussen können. In der Psychologie und psychologischen Beratung werden sie eingesetzt, um eine dauerhafte Verbesserung deines Wohlbefindens zu erzielen – insbesondere in für dich herausfordernden Situationen. Affirmationen helfen nicht dabei, dass solche Situationen nie wieder eintreten. Doch sie helfen dabei, dass du damit künftig besser umgehen kannst und dein Selbstvertrauen behältst bzw. wieder zurückgewinnst.

In welchen Situation willst du dir künftig selbst helfen können

Um eine persönliche Affirmation zu entwickeln, muss du zuerst die Situationen definieren, in denen du dich immer wieder hilflos fühlst. Die Situationen, in den du gemerkt hast, dass dir auch andere dabei nicht helfen können. Oft sind das Situationen, in denen wir uns einer unangenehmen Herausforderung ausgesetzt sehen und uns damit allein fühlen. Wir fühlen uns urplötzlich überwältigt, entweder weil wir in einer echten Gefahrensituation sind oder weil wir das Gefühl entwickeln, uns durch Äußerungen, Verhaltensweisen und Reaktionen anderer bedroht zu sehen. Wenn andere Menschen beteiligt sind, empfinden wir diese in diesen Momenten oft als Gegner oder Außenstehende, die uns weder verstehen noch helfen wollen.

Stressempfinden ist stark von der persönlichen Bewertung eines Ereignisses abhängig – wir nehmen die Einschätzung vor, diesem Ereignis entweder gewachsen zu sein oder nicht. Wenn du weißt, welche Situationen in dir wiederholt Stress auslösen, kannst du dich darauf vorbereiten – deine Stressreaktionen zeigen dir, wann es wieder soweit ist: entweder du spürst sie körperlich (Herzrasen, feuchte Hände) oder gefühlsmäßig (Angst, Verzweiflung, Wut) oder in deinem Verhalten.

Definiere mit den folgenden Fragen deine persönliche Stresssituation:
Wann habe ich mich das letzte Mal so richtig gestresst gefühlt?
Passiert das öfter und in ähnlichen Situationen?
Was genau spüre ich dann körperlich?
Welche Gefühle begleiten diese Körperreaktionen?
Wie reagiere ich oft in diesen Momenten?

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Was genau wünscht du dir für diese Situationen?

Erarbeite dir nun, was genau du dir für solche Situationen wünscht – du darfst ruhig verrückte Gedanken entwickeln, denn diese können dir dabei helfen, genau das zu formulieren, was du in solchen Momenten benötigst. Das Ergebnis wird natürlich realistisch sein müssen. Doch verrückte Gedanken ebenso wie auch die Formulierung des genauen Gegenteils dessen, was du dir wünscht, können dir auf dem Weg dahin helfen, das herauszufinden, was für dich wichtig ist in Stresssituationen.

Nutze dafür folgende Fragen:

Gibt es etwas, das ich mir in solchen Momenten oft wünsche? Wenn ja, was ist es?
Wie kann ich selbst dafür sorgen, dass ich mir diesen Wunsch – wenn auch nur annähernd – erfüllen kann?
Wer könnte mir noch dabei helfen?
Wenn mein Lieblingsmensch mich in dieser Situation beobachten würde, was würde er dann sagen – auch wenn er es vielleicht bisher noch nie gesagt hat?
Wie kannst du dieses Gesagte für dich nutzen?
Was motiviert dich am meisten – wieso tust du die Dinge, die du tust?
Wie kannst du beides miteinander verbinden: das imaginär Gesagte und das, was dich motiviert?
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Wie du eine wirklich hilfreiche und persönliche Affirmation formulierst – deinen ganz individuellen Kraftsatz

Nachdem du nun all diese Fragen beantwortet hast, hast du schon eine Menge an gedanklicher Arbeit geleistet: reflektiert. Diese Reflektion ist übrigens der erste Schritt auf dem Weg in einen besseren Umgang mit deinen Herausforderungen, denn nun weißt du, woran du erkennst, dass du in Stress gerätst und welche Situationen diesen Stress häufig in dir hervorrufen.

Jetzt kannst du dir eine erste Formulierung überlegen.

Merke: Die erste Formulierung kann, muss aber nicht, schon optimal für dich sein. Wenn sie es nicht ist, dann hast du eine Grundlage, an der du solange formulieren kannst, bis sie dir passt.

Wichtige Hinweise für deinen persönlichen Kraftsatz:
1) Formuliere so kurz wie möglich, damit du dir den Satz besser einprägen und abrufen kannst.
2) Nutze positive Formulierungen – vermeide alle Wörter, die Negierungen beinhalten.
3) Nutze Wörter, die dich ins Tun bringen:
    - ab sofort, ab jetzt …
    - Verben, die deine aktiven Handlungen beschreiben: Ab sofort werde ich von mal zu mal mehr Gelassenheit verspüren.
4) Beschreibe dir selbst kurz, wieso dieser Satz dir hilft:
    - Ab sofort werde ich von mal zu mal mehr Gelassenheit verspüren.
    - Weil ich diese Situationen immer besser und schneller erkenne
    - Weil sich diese Situationen wiederholen und ich weiß, dass ich danach weiterlebe
    - Weil ich merke, dass mir nach den Situationen soviele mögliche Reaktionen einfallen, die ich beim nächsten Mal anwenden werde
5) Formuliere so, dass du es selbst glauben kannst. Nutze für deine persönlichen Formulierungen folgende Ausdrucksweisen:

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  •    "Mir geht es besser und besser"
  •     "Von mal zu mal schaffe ich es mehr, …"
  •     "Mir gelingt es immer ein bisschen mehr/besser …"
  •     "Von Tag zu Tag …"
  •     "Ich erlaube mir …"
  •     "Ich darf …"    

Bleib dran, auch wenn dir deine erste Formulierung vorerst unglaubwürdig erscheint: formuliere solange um, bis du deinen Satz immer mehr glauben kannst. Ja, das ist Arbeit – aber „von nüscht kommt nüscht“ 😉

Welche Fehler du vermeiden solltest, damit dein Satz auch funktioniert

Im vorigen Abschnitt habe ich schon kurz angeführt, welche Formulierungen du nutzen kannst, um deinen Satz glaubwürdig zu gestalten. Versuche dabei, folgende Fehler zu vermeiden:

Entwickle glaubwürdige Aussagen:

Im Netz hast du sicherlich schon viele Affirmationen gelesen, die du vielleicht auch schon einmal ausprobiert hast – ist dir dabei aufgefallen, dass sie dir nicht geholfen haben? Das ist nämlich genau dann der Fall, wenn sie etwas konstatieren, was dir so überhaupt nicht real erscheint, weder in der Gegenwart noch schätzt du, dass du es erreichen könntest. Das wären Formulierungen wie: „Ich bin reich und schön.“ Oder „Ab heute bin ich attraktiv.“ Oder „Mir geht es immer gut.“ Oder „Ich bin ganz entspannt.“ oder oder. Diese Formulierungen haben ein Problem: Sie benennen zwar einen wünschenswerten Zustand, doch wenn du gerade in einer verzweifelten Stresssituation steckst, bist du weder in der Lage, dich sofort schön zu fühlen oder sofort ganz zu entspannen.

Siehst du den Unterschied? Nutze Formulierungen, die eine Entwicklung bezeichnen, etwas, was du erreichen kannst und was du jetzt schon ein wenig glauben kannst.

  • Verzichte auf negative Wörter: nie wieder, keiner, will nicht usw.
  • Versuche, negative Gedanken in konstruktive umzuformulieren: aus „ich will nicht mehr rauchen“ kannst du „ab sofort werde ich immer öfter meine Zigaretten wegstecken …“ oder aus „Wenn ich Stress verspüre, reagiere ich nicht mehr aggressiv.“ zu: „In Stressreaktionen werde ich mir immer schneller meiner Reaktion bewusst und fange an zu atmen.“
  • Formuliere für dich, nicht für andere: Du kannst nur deine eigenen Gedanken beeinflussen, nicht die der anderen:
  • Anstelle: „Sie wird mich mehr und mehr mögen.“ schreibe: „Ich werde jeden Tag ein bisschen unabhängiger von anderen Menschen.“

Überprüfe deinen Satz in der Realität und passe ihn, wenn nötig, an

Nun hast du für dich einen Satz formuliert, der dir glaubwürdig erscheint – jetzt kommt der wichtigste Schritt: trainieren trainieren trainieren.

Nun ist es wichtig, dass du deinen Satz mehrmals täglich liest und am besten vor dich hinsprichst - Probiere für dich aus, was am besten funktioniert. Wichtig ist, dass du ihn tatsächlich so häufig wie möglich aufsagst und dir somit fest einprägst.

  • Erstelle eine Erinnerung in deinem Handy
  • Schreibe deinen Satz auf kleine Klebezettel und klebe sie überall dorthin, wo du öfter täglich hinschaust
  • Sage dir deinen Satz dreimal morgens und dreimal abends vor dem Spiegel auf

Wende ihn in jeder kleinen Alltagssituation an. So kannst du am besten prüfen, ob er sich gut anfühlt und du kannst ihn gleich austesten.

Auch hier gilt jedoch: Du wirst nur Erfolg mit deinem Kraftsatz haben, wenn du ihn wirklich täglich mehrfach trainierst und auch ausprobierst. Du musst ihn automatisieren und dir fest einprägen, so dass er in der Notsituation sofort abrufbar ist – nur so kannst du dein Gehirn darauf trainieren, deine Gedanken und Körperreaktionen entsprechend auszurichten.

Viel Erfolg und Spaß beim Umsetzen!

Deine echt introvertierte Alix 

HINWEIS: Ich verwende in allen Texten eine genderneutrale Ausdrucksweise, spreche jedoch Jede und Jeden an, der und die sich für die Themen interessiert.

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